Die Spinne begleitete sie durch ein langes und an Ängsten reiches Leben, war Schutz und Bedrohung zugleich

Feuilleton | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Nachruf: Nicole Scheyerer

Sie schuf den Albtraum jedes Arachnophobikers: Die meterhohen Riesenspinnen von Louise Bourgeois ließen so manchem Museumsbesucher das Blut in den Adern gefrieren. Die Spinne – sie war das Muttertier einer Künstlerin, die ihre Schöpfungen stets auf die seelischen Wunden ihrer Kindheit zurückführte. Bourgeois’ Vater war Kunsthändler, ihre Maman betrieb eine Manufaktur zur Restaurierung historischer Gobelins. Die Nähe zum Textilen, zum Verknüpfen und Heilen durch Nähte, zieht sich durch das Werk der geborenen Pariserin, die das Mathematikstudium zugunsten der Kunstakademie abbrach. 1938 ging sie mit ihrem amerikanischen Ehemann nach New York, wo die Mutter dreier Söhne kontinuierlich an einem Werk webte, dem erst in den 80er-Jahren international Anerkennung gezollt wurde.

Unzählig sind die Brüste und Phalli, die man an den Skulpturen ausmachen kann. Geschlechtszuschreibungen werden geradezu provoziert, aber Bourgeois pochte stets auf symbolische Vieldeutigkeit,


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