Stadtrand

Ein Gatsch namens Österreich

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Öffis und Regen, das geht nicht zusammen. Da ziehen sich schlammige Schuhabdrücke vom Bahnsteig in die U-Bahn, da tropft auf Rolltreppen Wasser in den Nacken, da ist hinter beschlagenen Rundfenstern nur Grau – und dann noch das: Österreich hat seinen Anspruch, Kaufzeitung zu sein, endgültig aufgegeben und sich als blinder Passagier in U-Bahn-Stationen geschlichen. Einige Zeit versteckte es sich dort still und leise hinter Heute. Dann wurde es frecher und steht nun mancherorts sogar schon oben vor den U-Bahn-Abgängen. Der Kunde soll dadurch offenbar schon mit Österreich versorgt sein, ehe er den Heute-Ständer passiert. Aber, liebe Österreicher, lasst euch gesagt sein: Es hat doch ziemlich geregnet letzte Woche! Österreich wurde also nässebedingt zum pickigen Blattsalat, und das noch im positiven Fall. Im schlechteren – bei Dauerregen – entstand ein Gatsch aus vielen, vielen Zetteln. Aus dem rann die Druckfarbe in rot-grün-blauen Schlieren die U-Bahn-Stiegen hinunter. Und tiefe Regenschuhprofile übertrugen sich in nasse Papierstapel. Och, wie hübsch!


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