Ins Mark

Mineure des Moratoriums

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Mit dem Koralmtunnel ist das so: Niemand weiß ganz, ganz genau, ob wir die dunkle Röhre zwischen dem Steirer- und dem Kärntnerland derart nötig haben, dass die Allgemeinheit dafür satte 5,2 Milliarden lockermachen sollte. Wären die Milliarden nicht besser in Bildungs-, Integrations- oder Forschungsprojekten aufgehoben? Und reicht nicht auch der Semmeringtunnel? Oder hat das Koralmloch wirklich das Potenzial, aus den Bundesländern via Anschluss an den „Baltisch-Adriatischen Korridor“ blühende transeuropäische Wirtschaftszentren zu machen, die dann via Umwegrentabilitäten und Kollateralnutzen zu tollen Bildungs-, Integrations- oder Forschungsprojekten für die Allgemeinheit führen?

Lustigerweise verläuft die Tunnel-Front quer durch die Parteien. Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) will nochmal nachdenken, ihr Genosse, der steirische Landeshauptmann Franz Voves, will schnell bohren. Der ÖVP-Verkehrssprecher im Bund, Ferry Maier, findet den Tunnel echt unwichtig, die steirische ÖVP will um ihn kämpfen und verhöhnt die Roten, sie würden in Wien nicht gehört. In der eigenen Partei, sapperlot! Bei den Grünen ist’s übrigens ähnlich.

Aber ist der Tunnel schon deswegen gut, weil die Wiener dagegen sind? Lässt sich das teuerste Baulos der Zweiten Republik mit dem Hinweis rechtfertigen, dass auch in Wien Unsummen in überzogene Bahnprojekte gesteckt würden? Man muss hoffen, Bures zieht das Moratorium durch. Im Oktober 2009 hatte sie noch versprochen: „Beim Koralmtunnel werden Mineure, Bautechniker, Bauarbeiter ab sofort (...) Tag für Tag dort arbeiten, 24 Stunden am Tag, in drei Schichten sieben Tage die Woche (…).“

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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