Das kann man natürlich gar nicht vergleichen

Selbstversuch

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Kaum sage ich grillen, habe ich auch schon eine Spießerdebatte am Hals. Ja, danke, war ja schon viel zu lang nicht mehr. Weil nämlich bloß Spießer grillen. Sagt, Trommelwirbel Trommelwirbel Trommelwirbel: Sedlacek, eh klar. Grillen sei, sagt – nein, schreibt – Sedlacek ein absolutes No-no und nur etwas für Spießer.

Was insofern betörend ist, als Sedlacek sich jetzt die meiste Zeit in Berlin aufhält, wo er abends zur Nahrungsaufnahme gerne in einem Lokal vorstellig wird, das auf den schönen Namen Grill Royal hört und in Berlin, wie ich von meinen Berliner Kumpels hörte, der ganz heiße Scheiß sein soll. Beziehungsweise, wie ich jetzt von ihnen höre: Eh nur mehr der zweitheißeste Scheiß, in Berlin kühlt Scheiße ja relativ zügig ab.

Ich bin wieder öfter in Kontakt mit Sedlacek, beziehungsweise ich weiß jetzt wieder detaillierter, was Sedlacek so macht, denn seit Sedlacek mehr in Berlin ist, ist er auch viel auf Facebook, um seine Wiener Community nicht im Unklaren zu lassen über nächtliche Ausflüge, Begegnungen, Besuche in Grillrestaurants und dergleichen. Und, wenn es die Situation erfordert, seine Ansichten zur Spießerei im Allgemeinen und im Speziellen.

Wenn ein Spitzenkoch grille, lamentiert Sedlacek auf meinen Grill-Royal-Hinweis hinauf, sei ihm das recht. Ach so! Wenn ein Koch grillt, ist es also nicht spießig! Das muss ich mir merken! Und genau, solche In-Restaurants sind ja immer zuverlässig vollumfänglich spießerfrei, hatte ich vergessen. Aber, Frage: Was, wenn ein echter Spitzenkoch in meinem Garten Hand an meinen Griller legte? Vertriebe der mit seiner Spitzenkochgrillzange damit automatisch die Aura des Verspießerten, die meinen Kugelgrill für gewöhnlich umwabert? Oder ist das dann eine kleine verzeihliche Temporärspießerei? Sedlacek?

Aber auch Pia in Paris hat Probleme. Ihre Paradeiser am Balkon wachsen nicht so recht, weshalb sie (und noch ein paar Leserinnen und Leser) meine Idee mit den Taschentomaten genauer erläutert haben und wissen wollte, was das bitte sei, eine Flüchtlingstasche. Und ich versuchte es ihr zu erklären, ohne dabei mit rassistoiden Termini operieren zu müssen, was sich als tüchtig schwierig erwies.

Habe ich der Pia ein Foto geschickt: Bitte, so schaut das aus. Hat die Pia gesagt, sehr schön, aber in Paris kann sie das leider nicht machen, da kommt die Stilpolizei, verhaftet sie und schiebt sie umstandslos ab.

Hier in Wien und im Waldviertel wird einem nur der Vogel gezeigt, aber das sehen wir in all dem Grillrauch eh nicht.


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