Vernissage

Spraydose in der einen, Pinsel in der anderen Hand

Lexikon | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Lange vor seinem Durchbruch in der Kunstwelt, präsentierte sich Jean-Michel Basquiat bereits als König der Straße: Seiner Signatur als Graffitisprayer verpasste er in den 70er-Jahren auch eine Krone. Dass der 1988 jung verstorbene Künstler heuer seinen 50. Geburtstag feiern würde, diente der Kunsthalle Wien als Ausgangspunkt für die Ausstellung „Street and Studio. Von Basquiat bis Séripop“. Gemäß Basquiats Biografie – er verteilte zunächst seine Kunst im Stadtraum und stieg dann blitzschnell zum gefeierten Malergenie auf – untersucht die Schau die Beziehung zwischen urbaner Öffentlichkeit und Atelier.

Wien hat mit Christian Eisenberger einen Künstler, der zunächst anonym auf der Straße Pappkameraden verteilte und heute auf Kunstmessen reüssiert. Arbeiten von Weggefährten Basquiats wie Andy Warhol, Keith Haring und Francesco Clemente sowie seiner Zeitgenossen Jenny Holzer oder Sol Lewitt treffen in der Ausstellung auf heutige Künstler, die die Straße inspiriert. In der texanischen Wüste dachte die New Yorkerin Rita Ackermann über die differenten Raumerfahrungen nach, ein Motiv, das sich durch die gesamte amerikanische Kunstgeschichte zieht. Als bekanntester Street Artist heute verleiht Banksy dem Schablonengraffiti eine poetische Qualität, wie sie sie zuletzt in den 70er-Jahren hatte. Die Diktatur von Kommerz und Überwachung im öffentlichen Raum kritisieren die Künstler Dani Gal, Leopold Kessler oder Robin Rhode. nS

Kunsthalle Wien, Do 19.00; bis 10.10.


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