Neu im Kino

„Muezzin“: Gebetsrufer mit Künstlerstolz

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Wenn zum Soundcheck „Gott ist groß!“ ins Mikro gesprochen wird, dann singen hinterher keine Castingshow-Sternchen um die Wette, sondern Muezzins. Es ist das Istanbul-Finale des jährlichen Gebetsrufwettbewerbs, und zwischen den Kandidaten herrscht eine Mischung aus Kameraderie und Konkurrenz, wie sie bei einem Hip-Hop-Battle nicht überraschen würde. Auf solch irdische Korrespondenzen legt Sebastian Brameshuber, der österreichische Regisseur von „Muezzin“, Nachdruck: Die Tätigkeit muslimischer Gebetsrufer interessiert ihn als musikalische, mit eigenen Traditionen und Codes der Distinktion. Aus dem Alltag einiger Istanbuler Muezzins heraus skizziert seine Doku ein Berufsverständnis, in dem Gottergebenheit und Künstlerstolz fließend ineinander übergehen. Zu den eingespielten Frontstellungen westlicher Türkei-Berichterstattung (religiös-autoritär vs. aufgeklärt-individualistisch) steht das mitunter produktiv quer.

Ab Fr im Votiv Kino


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