Noch im Kino

Aschenputtel lässt grüßen: „Madame Michel“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Unter der harten Schale der mürrischen Concierge steckt ein weicher Kern: Madame Michel (Josiane Balasko), die sich in ihrer kleinen Erdgeschoßwohnung eines eleganten Pariser Bürgerhauses eingeigelt hat, entspricht scheinbar ganz dem Bild der hausmeisterlichen Zwiderwurzen, liest aber im Hinterzimmer heimlich Tolstoi und schätzt Filme von Ozu. Sie ist also das, was die übrigen Hausbewohner nur vortäuschen: eine Freundin der Hochkultur. Einzig die elfjährige Paloma aus dem dritten Stock, die beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen, findet buchstäblichen Zugang. Die französische Regisseurin Mona Achache setzt in ihrem Regiedebüt „Die Eleganz der Madame Michel“ („Le hérisson“), einer eigenwilligen Adaption des Romans von Muriel Barbery, vor allem auf Abbilder von Märchenhaftigkeit und Poetik: Dem alten Aschenputtel macht ein neuer japanischer Mieter als kultivierter Prinz den Hof, während das verblendete Mädchen seine Videokamera zur Seite legt und den Wert des Lebens erkennt.

Weiterhin in den Kinos (OmU im Votiv)


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