Meinesgleichen

Prostitution, die Schwalbe des profil

Falter & Meinung | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Der Sommer kommt, die Auflage sinkt, wir brauchen was am Cover, was Pikantes, Erotisches. Hüllen, die fallen, füllen die Hallen, hieß es früher. Heute geht es jedoch um was Ernstes: Das Nachrichtenmagazin profil hat sich eines gesellschaftlich überaus relevanten Themas angenommen, der Prostitution.

In den letzten Jahrzehnten gab es covermäßig bei profil so gut wie alles Nuttige, von langen roten Lackstiefeln (dem diesmaligen Cover verwandt) bis zu einem grellrot geschminkten Kussmund in der rechten oberen Ecke. Seit ich profil lese, rechne ich mit diesem meteorologischen Sommerzeichen. Prostitution ist die Schwalbe des profil.

1984 parodierten wir die Gewohnheit österreichischer Magazine, mit nackter Haut Verkaufserfolge zu erzielen, auf einem Cover, das in Großbuchstaben das Wort „SEX“ zeigte und darunter vier leere Kästchen. Blätterte man um, sah man die Inhalte der Kästchen, die Covers von Wochenpresse, Basta, Wiener und profil – alle in der gleichen Woche mit dem gleichen Thema. Das Falter-Cover mit dem Sex-Wort verkaufte sich übrigens blendend.

Ach ja, der Falter brachte eine Woche vor profil eine – gewiss nur zufällig – strukturell recht ähnliche Geschichte. Wir haben wieder versagt und sie nicht so illustriert, wie es in der Trafik was hermacht. Im Gegenteil, wir haben uns gefragt, wie wir das Thema präsentieren, ohne die ausgebeuteten Frauenkörper noch einmal auszubeuten. Wir lernen’s nimmer.


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