In Hühnern und Häusern hausen die Geister

Feuilleton | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Die thailändischen Filmer Apichatpong Weerasethakul und Aditya Assarat brechen erwartungsgemäß westliche Sehgewohnheiten

Filmkritik: Michael Pekler Joachim Schätz

Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag zu Thailand findet sich unter der Rubrik „Kino“ genau ein Satz: Er vermerkt die Goldene Palme, mit der der neue Film des Thailänders Apichatpong Weerasethakul („Uncle Bonmee Who Can Recall His Past Lives“) vor wenigen Wochen in Cannes ausgezeichnet wurde.

Diese einsame Notiz gibt einigen Aufschluss darüber, wie der internationale Kunstkinobetrieb seine Kartografien erstellt: Wenn sich nationale Filmkulturen nicht am Festivalzirkus als wiedererkennbare Marken etablieren können (wie zurzeit Rumänien oder der Iran in den 90er-Jahren), werden sie in der Außenwahrnehmung mit prägnanten Einzelpositionen gleichgesetzt: Das finnische Kino heißt dann Aki Kaurismäki, und punkt.

Dass das Stadtkino nun neben Weerasethakuls vorletztem Langfilm „Syndromes and a Century“ (2006) auch

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