Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Enzi’s dead: das entweihte Stadtmöbel

Das seit der Pestsäule wohl aufsehenerregendste Stadtmöbel ist der Enzi. Wenn Ihnen, liebe Leser, das nichts sagt, dann würden wir das an Ihrer Stelle ja nicht unseren Freunden verraten. Denn den Enzi muss man kennen. Der Enzi ist cool. Er ist so ultraurban, dass die Wiener Boboschaft jährlich online über die Farbe seiner saisonalen Ausprägung abstimmt; heuer siegte „Candy Shop Pink“, obwohl kurzzeitig „Strawberry Fields Red“ vorn lag. Und auch wir begaben uns, jedem Trend folgend, kaum, dass nach langem Regen wieder die Sonne schien, zum Museumsquartier, um uns dort mit selbstgewisser Souveränität auf den Enzi zu fläzen. Doch was mussten wir da erblicken: Der Enzi ist jetzt gebrandet. Man hat seine Seele geraubt, seine Identifikationskraft missbraucht, ihn an Puls 4 verscherbelt, dessen Logo nun auf ihm prangt. Haben wir dafür schweren Herzens „Candy Shop Pink“ den Vorzug gegeben? Sind wir dafür samt iPod und Bugaboo testimonialgleich auf den Enzis gesessen? Wir müssen es leider sagen: Der Enzi ist wie der Punk. Ein Werbe-Gag. Eine Lüge.


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