Basics

Ist das Grillfleisch mariniert grillt sich’s gänzlich ungeniert?

Grundkurs Kochen (81)

Stadtleben | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Dritter Teil unserer kleinen, wurmdoblerlosen „Trilogie des Grillens“ (ein Titel, den ich übrigens Botho Strauss für eines seiner nächsten Werke überlassen habe): die Marinade. Darf ich zum Anheizen eine Behauptung aufstellen? Zum Grillen braucht es keine Marinade. Beweis: die Rostbratwurst, der Hamburger und das Rindersteak. Allenfalls ein bisschen Öl auf den Grill, damit das Grillgut nicht anklebt, Salz, Pfeffer, das sollte reichen.

Ich weiß, es gibt Argumente wie: Ich bekleckere mit Marinade meine Grillschürze, meine Finger kleben et cetera. Das ist alles kochfern und uninteressant. Eher kann man den Hinweis gelten lassen, in der Marinade befindliche Kräuter hätten die Tendenz zu verbrennen, ölige Marinaden wiederum neigten dazu, ins Feuer zu tropfen, dort Flammen zu erzeugen, welche wiederum das Fleisch ankohlen.

Da ist was dran. Wenn ich in Supermärkten oder Metzgereien Fleisch sehe, wie es in fettigen, überwürzten Laken schwimmend auf Grillkundschaft wartet, kommt mir dazu noch der Verdacht, Marinade diene dazu, den Geschmack des möglicherweise Unfrischen zu übertünchen – eine sicher ungerechtfertigte Unterstellung, von der sich Marinade aber nicht ganz reinwaschen kann.

Ich weiß, den Marinado-Aficionado werde ich von seiner Leidenschaft nicht abbringen. Möge er wenigstens die Sauce gut abwischen, ehe er das Grillgut auflegt. Nächstes Mal: vorher oder nachher salzen? Sowie doch noch ein paar Mariniertipps. at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige