Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Gerechtigkeit für Liezen

Die regionale ist, wie man so sagt, „ins Gerede“ gekommen. Das Gerede als Kommunikationstypus ist in der Steiermark ja überaus beliebt, es scheint dem Naturell des Steirers besonders entgegenzukommen. Das Gerede ist schlampig, es ist uninformiert, das Gerede geht nur selten mit einem Gehöre Hand in Hand, ein bisserl Geheimnistuerei und eine gehörige Portion Boshaftigkeit stecken auch noch drin. Es ist also eher weit von dem entfernt, was Jürgen Habermas unter einer „idealen Gesprächssituation“ verstanden haben wollte.

Im Gerede stehen zwei Projekte der regionale – der Vier-Tonnen-Fels des chinesischen Künstlers Ai Weiwei für den Dachstein-Gipfel und die fünf Baukultur-Container in Gröbming – sowie mein eigener Artikel für das Magazin der regionale, ein Porträt der kleinen Stadt Liezen, das im Vorspann mehrdeutig und pointiert formulierte: „Die Bezirkshauptstadt Liezen hat einen Ruf zu verlieren – den als hässlichste Stadt der Steiermark“. Das Gerede um die beiden Projekte verbindet, dass es diese selbst als „hässlich“ abwerten will, das Gerede um den Artikel unterstellt, dieser wolle die Liezener beleidigen oder – Achtung, Kunst! – „provozieren“. Alles Unsinn. Auch dass solches Gerede einem Kunstfestival zur Ehre gereiche. Oder dass diese Fragen überhaupt mit Ästhetik zu tun hätten.

Was das Gerede aber leistet: Es verweist auf die, von denen es ausgeht, und was sie damit im Sinn haben. Die alteingesessenen lokalen Politfunktionäre, die Ortsbildbehübscher, die Tourismus- und Kulturwarte, die sich gerne als „liberal“ ausweisen, andere Stimmen aber gar nicht erst aufkommen lassen. Sonst, eh klar, ist Liezen nämlich total super.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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