Fragen Sie Frau Andrea

Die Tröte aus der Hölle

Kolumnen | aus FALTER 24/10 vom 16.06.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

was ist das für ein unglaubliches Hornissengesumme bei der Fußball-WM? Meine Fußballversteherfreunde sagen knapp, das seien Voodoo-Zähler. Muss ich Angst haben, wenn ich ohne Magie-Sicherheitsmaßnahmen zufällig in ein WM-Match zappe? Woher kommen die bösen Tröten? Und was zählt man beim Voodoo-Zählen?

Liebe Grüße, Bernd Tragiser,

Neulerchenfeld, per Elektronachricht

Lieber Bernd,

als Zufallszapper brauchen Sie keine Angst vor den seltsamen Klängen aus dem Süden unseres Nachbarkontinents haben. Auch das Betreten einer Public-Viewing-Zone oder eines WM-Wirtshauses wird Ihnen keinen schwarzmagischen Schaden zufügen.

Mit Voodoo haben die Bienensounds aus den Stadien in Johannesburg, Kapstadt, Pretoria und den anderen sechs WM-Städten nichts zu tun. Die von Ihnen befragten Fußballexperten dürften das Wort Vuvuzela falsch verstanden haben. So nämlich nennen Südafrikaner jene bunten Plastiktröten, deren infernalische Trompetensounds ein WM-Stadion zu einem akustischen Inferno geraten lassen (und mit deren Folgen für unser Sexleben sich meine Kollegin nebenan befasst). Ist doch der Sound einer Vuvuzela mit 123,9 Dezibel laut wie ein Düsenjet im Probelauf. Im Gegensatz zu fliegendem Blech treten die Stadionpusten aber zu Zehntausenden auf.

Der Name Vuvuzela soll vom Zulu-Wort für Dusche – Vuvu – kommen. Die Höllenposaune will der bekannte Kaizer-Chiefs-FC-Fan Freddie „Saddam“ Maake schon 1965 aus einer Fahrradtröte und einem Verlängerungsrohr gebastelt haben. Die nächsten Versuche mit der Fantrompete waren aus Aluminium. Um die Satanshupe durch die Security-Checks zu bringen, ließ Maake schließlich Plastikversionen produzieren.

Vuvuzelas eroberten die Stadien Südafrikas. Erste internationale Aufregung erregte die Vuvuzela-Manie beim letztjährigen Fifa Confederations Cup, der als WM-Generalprobe ebenfalls in Südafrika ausgetragen wurde. Kommentatoren, Spieler und Besucher konnten sich mit ihrem Wunsch, die Plastiktrompeten aus der Hölle zu verbieten, bei Fifa-Vorsitzendem Sepp Blatter nicht durchsetzen. Der altersschwerhörige Mann schob diplomatische Gründe vor: Man solle den afrikanischen Weltcup nicht europäisieren. Tröööt!


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