Tipp Pop

Rod Stewart: vom coolen Hund zum Erbschleicher

Lexikon | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Wie reagieren Sie, wenn der Name Rod Stewart fällt? Allenfalls mit einem leisen Gähnen vermutlich. Bei mir ist das anders. Ich zucke immer, wenn ich über Rod Stewart stolpere. Ein bisschen zumindest. Als Bub war ich nämlich glühender Fan des britischen Sängers; im Sommer 1986 habe ich ihn sogar live gesehen. Mein erstes Rockkonzert. Gemeinsam mit meinem Vater. Im Klagenfurter Fußballstadion. Von einem eindrucksvollen Erlebnis zu sprechen wäre glatte Untertreibung. Rod Stewart hat all seine Hits gesungen und am Höhepunkt der Show ein Dutzend Fußbälle ins Publikum geschossen. Was für eine Performance! Was für ein cooler Hund! Tagelang habe ich den Glanz damals nicht mehr aus den Augen bekommen, und noch Monate später wurde jeder Taschengeldschilling in alte Rod-Stewart-Platten investiert. Gar nicht so wenige davon besitze ich heute noch, sie stehen, seit rund zwanzig Jahren ungespielt, im Abstellraum, und da werden sie wohl noch länger stehen bleiben.

In erster Linie als Reminiszenz an die späte Kindheit, versteht sich. Ein bisschen aber auch, weil Stewarts Siebzigerjahresachen gar nicht so schlecht waren (einige waren sogar richtig gut). Das ziemlich elendige 1986er-Album „Every Beat Of My Heart“ habe ich vorm Umzug nach Wien aber doch meinem Vater geschenkt, als Erinnerung an den gemeinsamen Konzertabend. Etwas Besseres ist dann nicht mehr nachgekommen. Bei meinen Konzertbesuchen natürlich schon, aber bei Rod Stewart halt. Irgendwie kommt er freilich bis heute durch mit seinem Hollodri-Schmäh, singt sich in bester Erbschleichermanier durch klebrig arrangiertes Allerweltsliedgut – und wird damit wohl einmal mehr die Stadthalle füllen. Nicht, dass ich mit dabei wäre. Aber ein bisschen gezuckt habe ich schon, als die Konzertinfo angekommen ist. GS

Wiener Stadthalle, So 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige