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Die Freundin von Frida und Carlos Marx

Lexikon | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Die aus Udine stammende Fotografin Tina Modotti stand viel zu lange im Schatten ihres bekannten Geliebten Edward Weston. Sie galt als Künstlermuse und war vor allem durch die Aktfotos bekannt, die Weston von ihr gemacht hat. Erst Ende der 90er wurde das Werk der 1942 verstorbenen Künstlerin wiederentdeckt. Zu den Sammlern der eindrucksvollen Porträts und Bildserien aus dem Mexiko der 20er- und 30er-Jahre zählte früh schon der Popstar Madonna. Das KunstHausWien präsentiert jetzt einen Querschnitt mit dem Untertitel „Fotografin und Revolutionärin“, der auch das politische Engagement Modottis betont.

In Kalifornien arbeitete sich das 16-jährige Immigrantenmädchen zur Schauspielerin in Stummfilmen hoch, wo sie vor allem Femmes fatales verkörperte. Nach ihrer Übersiedlung nach Mexiko mit Weston 1922 mauserte sich Modotti vom Modell zur Fotografin. Wie ihre Freunde Frida Kahlo und Diego Rivera trat sie der kommunistischen Partei bei und hielt den Kampf der Arbeiterschaft auch fotografisch fest. Die engagierte Künstlerin setzte aber auch der ländlichen Kultur Mexikos, die sie auf mehreren Reisen erkundete, mit Serien wie „Die Frauen von Tehuantepec“ ein Denkmal. Modotti publizierte in Zeitschriften wie New Masses oder Horizonte. Nach ihrer Ausweisung aus politischen Gründen arbeitete die Antifaschistin im Spanischen Bürgerkrieg, sowie in Berlin und Moskau für die „Internationale Rote Hilfe“ als Übersetzerin. Die Schau zeigt Fotoikonen ebenso wie weniger bekannte Fotografien und rares biografisches Material, das von Modottis zahlreichen Lebensstationen erhalten geblieben ist. nS

KunstHausWien, ab Do; bis 7.11.


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