Buch der Stunde

Das Glück braucht weder Gott noch Jenseits

Lexikon | Sebastian Kiefer | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Man kennt das: Ein wohlgenährter Westler lässt sich zu Urwaldindianern fliegen, um wieder einmal festzustellen, wie viel Weisheit, Naturnähe, Freiheit und Sinnfülle bei den angeblichen „Primitiven“ verborgen liegt. Aber Daniel Everett kam nicht als Tourist, sondern als Missionar – und ging als Bekehrter. Die Piraha lachten ihn schlichtweg aus mit seinen Legenden vom Vater im Himmel und hätten keinen Augenblick gezögert, ihn umzubringen, wenn er ernsthaft versucht hätte, sie zu bevormunden. Er erfuhr „leibhaftig“, welche Anmaßung in der Botschaft von der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen liegt – angesichts von Menschen, die augenscheinlich glücklich im Hier und Jetzt leben.

Für die Piraha sind Bäume, Menschen, Tiere, Flüsse, Himmel und Geister so sehr eins, dass es kein Jenseits und keine Vergangenheit geben kann, die dem Leben erst seinen Sinn verleihen – und also auch keine Schöpfungsmythen. Sie kennen nur eine Evidenz, das unmittelbare Wahrnehmungserleben,


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