Kunst Kritik

Schlimme Zeiten für die Menschheit

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Den Bedingungen menschlicher Existenz nachzuspüren, ohne dabei nur metaphysisches Kauderwelsch zu produzieren, ist nicht ganz einfach. Kurator Adam Budak bietet dazu im Kunsthaus die Arbeiten von acht Künstlern auf. Stehen in der gleichfalls von ihm für die Regionale auf Schloss Trautenfels kuratierten Ausstellung „Der schaffende Mensch“ die „Welten des Eigensinns“ im Mittelpunkt, konzentriert sich Budak in Graz auf die „Human Condition“ mehr im Allgemeinen, führt dazu aber auch an die kritischsten Orte.

Am leichtesten gelingt das Unterfangen dort, wo allgemein verbindliche Sinnbilder für die Conditio humana stehen. Kris Martin hat die Laokoon-Gruppe 1:1 in Gips nachgebildet, dabei allerdings die sich bedrohlich um Vater und Söhne windende Schlange weggelassen, sodass die Gefahr, welcher die menschliche Existenz hier ausgesetzt ist, auf unheimliche Weise absent bleibt. Dagegen formuliert Maria Lassnig sich selbst als Laokoon, stellt in gewagter Selbstüberhöhung die Bedingungen, als Frau und Künstlerin zu leben, in die Tradition griechischer Tragödie.

Beklemmender fällt Lida Abduls Arbeit aus. Nicht nur weil die Lebensbedingungen, die sie in ihren Filmen gleichnishaft schildert, ganz andere sind, sondern auch weil der Verbleib der afghanischen Künstlerin tatsächlich seit Wochen unbekannt ist. Der albanische Künstler Adrian Paci liefert mit dem Film „Per Speculum“ ein so eindringliches wie wörtliches Bild der Zerbrechlichkeit menschlichen Seins, in „Turn On“ eine bedrohlich lärmende Allegorie auf die Unzulänglichkeiten, denen das Leben in Shkoder ausgesetzt ist. Mehr Zeit und Einfühlungsvermögen fordern die filmischen Dokumentationen von Renzo Martens, in denen die Armut im Kongo und der Krieg in Tschetschenien abgehandelt werden. Insgesamt ein diffizil gezeichnetes, aber ziemlich tragisches Bild, zu dem das Porträt des Menschseins im Kunsthaus gerät.

Kunsthaus Graz, bis 12.9.


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