Kunst Kritik

Des Kasteldenkens liebste Opfer

Steiermark | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Was Ausgrenzung bedeutet, erlebt kaum eine Bevölkerungsgruppe stärker als die Roma. Zum Beweis muss gar nicht erst an die aktuellen Roma-Pogrome in Ungarn erinnert werden. Für Astrid Kury, Präsidentin der Akademie Graz, ist das Anlass genug, mit der zweiten Auflage des Festivals Romale!, „die Schubladen einmal auszukippen und den Blick frei zu machen von Erwartungshaltungen, die immer schon vorwegnehmen, was wir dann auch wahrnehmen werden“. Unter dem Motto „Empty the Boxes!“ finden sich Dokumentationsprojekte, Lesungen, Diskussionen, Workshops, ein Fotoprojekt, im Rahmen dessen sich 60 Kinder eines slowakischen Dorfes selbst porträtieren, eine Romani Disco und auch eine Ausstellung im Kunstraum next Andrä, deren Aufgabe es ist, vor dem Entleeren der Schubladen einmal genauer auf deren Inhalt zu blicken.

„Inside, Outside … And The Spaces In Between“ soll Erfahrungen der Ausgrenzung vermitteln und thematisiert bereits im Titel eine Kultur, die immer schon maßgeblich von Marginalisierung und Migration geprägt war. Am prägnantesten in den Arbeiten von Delaine Le Bas, die das Schaufenster des Kunstraums zur Veranschaulichung des Widerstreits von Innen- und Außensicht zwischen Menschenrecht und Megakitsch nutzt, oder in den Überarbeitungen, die Damian Le Bas unterschiedlichsten Landkarten und Stadtplänen angedeihen lässt, um sie damit als Topografien einer stets wandernden, an keinerlei Identifikationssymbol haltfindenden Seele zu gestalten. In pointierten Videos steuert Tamara Moyzes unterschiedliche Perspektiven auf die aktuelle gesellschaftliche Situation der Roma und eine humoristisch verbrämte Bomben-Bauanleitung bei. Vielleicht wird Ausgrenzung ja auch die Roma einmal zu Terroristen gemacht haben. Ut

Kunstraum next Andrä, bis 17.7.


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