styriarte 2010: Reise durch Österreichs Jahrhunderte

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Im Zentrum steht das Erbe der Donaumonarchie

Heimat, bist du" setzt sich die styriarte heuer als Motto, um zu einer musikalischen Reise durch Österreichs Vergangenheit aufzubrechen. Einen „üppigen Schwerpunkt" verspricht sie zu Barockmeister Johann Joseph Fux, dessen 350. Geburtstag heuer gefeiert wird und der als steirischer Bauernsohn zum kaiserlichen Hofkapellmeister aufstieg. Die belgische B’Rock hält die Besucher mit einer „Kleinen Nachtmusik" wach, Höhepunkt der Huldigung: die Oper „Orfeo ed Euridice".

Interessante Programmpunkte ergeben sich aus dem Erbe der Habsburgermonarchie: Walzerseligkeit meets übermütige Balkanmusik des Sandy Lopicic ensemble. Auch der Untergang des Vielvölkergebildes lässt sich gut erzählen: Tschechen, Ungarn und Kroaten erfanden sich als Nation erst künstlerisch, bevor sie politisch eigenständig wurden. Eine kritische Erkundung des eigenen Landes ist „Má vlast – Mein Vaterland" des Böhmen BedrÇich Smetana, der Auftakt der styriarte: Nikolaus Harnoncourt dirigiert das Konzert in der List-Halle, per ORF-Steiermark-Klangwolke ist es an zahlreichen Orten im ganzen Land mitzuverfolgen.

Heimatkitsch-Gefahr bestehe keine, versichert die styriarte, ist doch Harnoncourt dafür bekannt, dass er „gegen den nur schönen Strich musiziert" (Der Spiegel). Programmpunkte wie eine Lesung aus Thomas Bernhards „Meine Preise" durch Peter Simonischek tun ein Übriges.


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