Meinesgleichen

Erinnerung an Christoph Wagner

Falter & Meinung | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Die Bilanz der letzten Woche war bedenklich. Überraschend traf es auch Christoph Wagner. Wagner war der produktivste Gastronomiekritiker des Landes. Er begann als Kulturjournalist und blieb bei der Kultur, nicht nur, weil er in den letzten Jahren als Autor von ambitionierten Kriminalromanen in Erscheinung trat. Auch Essen ist eine Kulturleistung, und Wagner hat hier Bedeutendes geleistet. Nämlich tatsächlich zuerst als Esser. Wer je mit ihm bei Tisch saß, weiß, mit welchem Vergnügen und welcher Passion dieser wohlbeleibte Mann seinem Beruf nachging. Da war nicht der oft zu bemerkende berufsbedingte Zynismus, da war einfach Freude am Aufgetragenen. Durchaus auch Freude am Einfachen, Deftigen.

Diese Freude vermochte Wagner uns vielfältig mitzuteilen. Er schrieb nicht nur Kolumnen und Rubriken (zuletzt in News), er gründete nicht nur das GaultMillau Magazin, er steckte als Autor hinter fast allen österreichischen Kochbucherfolgen der neueren Zeit, vor allem hinter dem „Plachutta. Die gute Küche“ (gemeinsam mit Ewald Plachutta). Aus dem wurde so etwas wie der Kochbuchklassiker unserer Tage. Wagner war imstande, das gewaltige Material zu bündeln und so aufzubereiten, dass hunderttausende Menschen daraus nützliche Alltagsanleitung beziehen.

Solche Aufgaben bedurften einer gewaltigen Arbeitskraft, die Christoph Wagner besaß und auch ohne Rücksicht auf sich selbst einsetzte. Er starb letzte Woche im Alter von 56 Jahren in Wien.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige