Über den Dächern von Wien

Politik | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

In seinen eigenen vier Wänden lebte Hans Dichand als kunstsinniger Kosmopolit

Bericht: Matthias Dusini

Der Abstieg ist ein Aufstieg. In den 50er-Jahren wohnt der Verleger Dichand im Matzleinsdorfer Hochhaus, Ende der 70er-Jahre übersiedelt er in die von dem Architekten Wilhelm Holzbauer geplante Villa am Kaasgraben im noblen 19. Bezirk.

Das von Ladislaus Hruska und Kurt Schlauß entworfene Hochhaus am Matzleinsdorfer Platz (1951–1955) ist ein Prestigeprojekt des sozialdemokratischen Wohnungsbaus, zwar kein richtig lässiger Wolkenkratzer à la Mies van der Rohe, aber immerhin ein Bekenntnis zu zentrumsnahem Wohnen. Auch der Journalist und spätere Bürgermeister Helmut Zilk wohnte in Wiens „modernstem Gemeindebau“.

Als Wilhelm Holzbauer den Auftrag für das „Haus eines Kunstsammlers“ (1978–1981) bekommt, ist aus dem Angestellten Dichand ein erfolgreicher Unternehmer geworden. Angewidert wendet sich der Zeitgeist vom einfallslosen Funktionalismus der Nachkriegszeit ab, kehrt dem

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