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Bücher, kurz besprochen

Michael Weiss | Politik | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Von Radfahrern und Juden

Zwölf Vorurteile in zwölf Kapiteln, von „Sieben Milliarden Menschen werden von zwölf Millionen Juden beherrscht“ bis „Der antisemitische Phönix steigt wieder aus der Asche“: Das ist das neue Buch des ehemaligen israelischen Botschafters in Deutschland Avi Primor. Ihm und seiner Co-Autorin, der Journalistin Christiane von Korff, geht es keineswegs nur darum, antisemitische Vorurteile zu verurteilen, sondern – wie der Untertitel verrät – generell um „deutsch-jüdische Missverständnisse“. Sie räumen nicht nur mit den Theorien der jüdischen Weltverschwörung oder des jüdischen Mordes an Jesus Christus auf, sondern auch mit der Einstellung, jede Kritik an der israelischen Politik sei automatisch antisemitisch, oder mit dem überzogenen Befund, der Antisemitismus erlebe eine Renaissance. Schon während seiner Tätigkeit als Botschafter hatte Primor sich zuweilen kritisch gegenüber Israel geäußert. Diese Ausgewogenheit sowie der bestimmte, aber niemals aufwieglerische Tonfall, machen dieses Buch lesenswert.

Avi Primor, Christiane von Korff: An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld. Piper, 307 S., € 19,95


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