Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Nur ein Dichand

Welch eine Ausnahmeerscheinung der verstorbene Hans Dichand war, zeigt die Reaktion auf sein Ableben. Vom Bundespräsidenten abwärts erging sich das Personal der Republik in Huldigungen. Die vorliegende Biografie „Nur ein Journalist“ liefert Antworten darauf, wie und warum der verstorbene Krone-Herausgeber so erfolgreich werden konnte. Der vor zwei Jahren verstorbene Autor Hans Janitschek war Journalist, Diplomat, Generalsekretär der Sozialistischen Internationale – und ein Freund Dichands. Das Vorwort des 1992 erschienenen Buches schrieb der damals bereits kranke Bruno Kreisky, der Dichand als „eigentlich sehr sympathisch“ bezeichnet. Janitschek beurteilt Dichand durchgehend wohlwollend, was dazu führt, dass der verstorbene Blattmacher in einem Licht erscheint, das auch den Erfolg der Krone verständlicher macht: Dichands plausible Einschätzung der Österreicher als „verspieltes Volk“, dessen Härte es sei, allen Abhärtungsversuchen trotzen zu wollen, um sich individuelle Weichheit zu bewahren. Dichand versuchte – wie Janitschek schreibt – die Welt für seine Leser erträglicher zu machen. Dass er sie dadurch für andere unerträglicher machte, bleibt unerwähnt.

Hans Janitschek: Nur ein Journalist. 1992, Orac. 255 S., ab € 9,–


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