Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Stefan Apfl | Politik | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Die Muthgasse am Tag, nachdem Hans Dichand starb

Der Regen ist vorüber, das Donnergrollen weitergezogen. Freitag, U4 Heiligenstadt, Endstation, bitte alle aussteigen. Wird man es der Muthgasse ansehen, dem Krone-Tower, den Menschen davor? Die Rolltreppen hinunter, am Zeitungsstand mehrere Fotos von ihm. Weiter, am Bäcker vorbei, ein Zögern vor zwei Gratiszeitungsständern, „kein Morgen ohne Heute“. Seitlich an den roten Selbstbedienungskästen prangt die Zeichnung einer Frau mit langem, blondem Haar. Sie soll eine glückliche, eine glücklichere Zukunft verheißen – im Namen eines Wettkonzerns. Dann plötzlich, am Ende des Ausgangs Muthgasse, ein Licht. Nein, keine Schautrauernden vor der Redaktion, keine Kränze, kein Kerzenmeer. Bloß ein einsamer Tankstellenwart auf der anderen Straßenseite. Wo sich gestern Journalisten drängten, ist heute vollkommene Ruhe. Der habe sein Ohr noch am Volk gehabt, sagt der Tankwart, so einer käme nicht noch einmal. Dann setzt der Regen wieder ein.


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