Mediaforschung

Sind Landwirte zu blöd für Mode, Herr Dirnberger?

Nachfragekolumne

Medien | Nathalie Grossschädl | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Was macht ein Bauer, der Filzhut, Stallhose und Gummistiefel trägt, im Internet? Er bestellt sich auf einer Modewebseite ein silbrig-lila-glänzendes Cocktailkleid. Das ist zumindest im neuen Werbespot der Post zu sehen.

Daraufhin marschiert ein gelbes Briefkasterl mit strammen Beinen seinem Ziel, dem Bauernhof, entgegen. Egal ob Tag oder Nacht, ob über Straßen oder unwegsames Gelände, der gelbe Held scheut keine Strapazen und bringt dem Landwirt schließlich sein Paket. Schnitt. Die letzte Szene zeigt eine Vogelscheuche. Sie trägt die ausgefallene, aus dem Internet bestellte Robe.

Was wollen uns die Werber von Dirnberger de Felice Grüber damit sagen? Haben Landwirte etwa kein Modeverständnis? „Darum geht es im Film nicht. Der Landwirt sucht Bekleidung für eine Vogelscheuche, und die soll möglichst auffallend sein“, sagt Peter Dirnberger.

Seine Agentur hat im Mai dieses Jahres den Werbeetat der Post gewonnen und im Zuge der neuen Kampagne dem Postkasterl Beine verpasst. Dieses leuchtend gelbe und freundlich wirkende Firmenmaskottchen soll nun das abstrakte Unternehmen etwas menschlicher machen. „Trotz aller Widrigkeiten ist das Postkasterl für ein Unternehmen unterwegs, das trotz hohen Wettbewerbs- und Leistungsdrucks tief in den Herzen und im Leben der Bevölkerung verwurzelt bleibt“, erklärt Dirnberger.

Der neue Slogan „Wenn’s wirklich wichtig ist, dann lieber mit der Post“ stammt ebenfalls von DDFG. Die Post durchlebt gerade stürmische Zeiten: SMS und E-Mail lösen den klassischen Brief ab, und die Liberalisierung des Briefmarkts steht vor der Tür. Also soll jetzt vermittelt werden, dass die Post ein verlässlicher Partner ist, der auch in den letzten Winkel des Landes tagtäglich die Packerln bringt.


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