Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste tote Jazzer der Welt der Woche

Gerhard Stöger | Feuilleton | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Zwei Kerzerln für Uzzi Förster

Musiker kommunizieren für gewöhnlich über ihre Musik. Dass sie den Hörer darüber hinaus ganz direkt ansprechen, kommt eher selten vor. Bei Uzzi Förster war das anders.

Auf seiner Debüt-LP „Infant Sound“ grüßte er 1969 höflich und führte mit kleinen Moderationen durch die Platte. „Da gibt es auch ein Lied, welches meiner Tochter gewidmet ist“, sagt er etwa. „Es heißt, wie sie, Niki.“

Im Schlussstück „You Smile I Cry“ stellt Ulrich Christoph Ludwig Ritter von Förster sich und das Album ausführlicher vor. Dass er jedes Instrument selbst gespielt habe, erzählt er, dass er das Cover eigenhändig gebastelt, die Platte selbst finanziert und sein eigenes Label gegründet habe. Dass er „Infant Sound“ selbst vertreibe und dass ihm doch bitte schreiben soll, wer die Platten verschenken – oder ihn heiraten möchte.

Jazzer war Uzzi Förster, dieser Wiener Lebenskünstler, Aktionist, Entertainer und intellektuelle Hallodri, unter anderem. Ein Jazzer freilich, dem völlig klar war, dass im Wort Spielwitz eben auch der Witz steckt; Virtuosität und Humor gehörten beim späteren Betreiber des Musikcafés Einhorn in der Joanelligasse untrennbar zusammen.

Das macht den speziellen Reiz von „Infant Sound“ und dem Nachfolger „Udrilitten“ (1972) aus – gerade auch ohne Jazzhörerdiplom. Auf „Fäustling“, dem ersten Ambros-Prokopetz-Hörspiel, ist Förster noch als Erdgeist zu hören; mit Qualtinger und Turrini hat er die garstige LP „Es ist ein gutes Land“ aufgenommen. In erster Linie aber war er ein Bühnenmensch, ein Liveereignis.

Das Wiener Label Extraplatte hat beide Förster-LPs bereits in den 90ern auf eine CD zusammengepackt, kürzlich wurde dieses etwas andere Meisterwerk der Austro-Musikgeschichte neu aufgelegt.

Ein würdiger Zeitpunkt, gilt es doch, gleich zwei Kerzerln für Uzzi Förster anzuzünden: Sein Geburtstag jährte sich heuer zum 80., sein Todestag am 22. Juni zum 15. Mal.


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