Fragen Sie Frau Andrea

Winter im Fußballsüden

Kolumnen | aus FALTER 25/10 vom 23.06.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

liebe Alleswisserin! Im weltmeisterlichen Südafrika wird den Fußballern immer kälter, weil dort der Winter vor der Tür steht. Sagt man auf der Südhalbkugel jetzt zum Sommer Winter und zum Winter Sommer? Folgen da unten die Begriffe für die Jahreszeiten dem Kalender oder der Witterung?

Ein etwas fröstelnder

Josef Dollinger, per Elektro-Post

Lieber Josef,

die Jahreszeiten und mit ihnen vieles von dem, was wir unter Wetter verstehen, werden durch die Achsenneigung der Erde verursacht. Leichte Krängungsoszillationen wie Präzession und Nutation nicht einberechnet, ist unser Mutterschiff momentan um 23,4385° aus dem Lot.

Das führt im Jahreslauf dazu, dass im Nordsommer die Erdenstirn, im Südsommer der Erdenhintern zur Sonne zeigt. Die Übergänge zwischen diesen Extrema erzeugen die Jahreszeiten.

Sie sind in mittleren Breiten am stärksten ausgeprägt. Wenn auf der Nordhalbkugel des Planeten (wie vergangenen Montag, den 21. Juni um 13.28 Uhr) die Sommersonnenwende stattfindet, kann auf der Südhalbkugel gegengleich die Wintersonnenwende beobachtet werden. Down under ist also alles umgekehrt. Weihnachten wird im Sommer gefeiert und Schulschluss im Winter. Auf die in westlich geprägten Zivilisationen gebrauchten Monatsnamen hat das keinen Einfluss.

Die Begriffe für die Jahreszeiten folgen in Ländern wie Australien, Neuseeland, Argentinien und Chile und auch im Weltfußballland Südafrika der Witterung und nicht dem Kalender. Australier neigen in Adaption der uralten kalendarischen Usancen der Aborigines inzwischen dazu, sechs Jahreszeiten zu unterscheiden. Wollten Sie sich in IsiZulu, der Sprache des Bantuvolkes der Zulu, der bevölkerungsreichsten südafrikanischen Ethnie, über Jahreszeiten unterhalten, sollten sie mal kurz ihr Vokabelheft zücken. Der Sommer heißt auf Isizulu Ihlobo, Intwasahlobo der Frühling, Ikwindla der Herbst und Ubusika der Winter. Der Ubusika des Jahres 2010 gilt als außerordentlich streng. In der Ostkap-Provinz mussten wegen Schneefällen zahlreiche Bergpässe gesperrt werden. Und am Kap sind in nasskalten Winterstürmen gar 500 Pinguine erfroren. Bibber!


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