Kunst Kritik

Das Netz und der Tod des Autors

Steiermark | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Seit jeher baut die Kunstgeschichte auf Legendenbildung. zieht aus der Mythisierung dessen, was ein Werk, was ein Künstler ist, ihr Vermögen. Ab dem 20. Jahrhundert unterstützt durch eine Kunst, die sich fleißig selbst daran beteiligt, den Nimbus ihrer Genialität aufzupolieren. Freilich brachte all das auch ironisch denkende Gemüter auf den Plan, die fest verzurrten Heiligkeiten einmal durchzuschütteln. Das Werk war bald durch die Gedankenspielerei ersetzt, die Figur des heroisch werktätigen Künstlers persifliert, gegen Maschinen ersetzt oder in seinem Heldentum clownesk übersteigert.

Das hört nicht auf, wie die unbedingt sehens- und lesenswerte, von Birgit Rinagl und Franz Thalmair für den Kunstverein Medienturm kuratierte Ausstellung „Ohne Titel“ deutlich macht. Während der Kunstbetrieb weiter marktkonform an der Einzelperson festhält, verschwindet diese allzu leicht zwischen Pseudonymen, neuerlich vielleicht auch Avataren, oder bleibt verstrickt in Netzwerken, die ihren Output stärker mitbestimmen, als man gemeinhin denkt. Der nicht weniger kunstige Untertitel der Schau „Der/Die Autorin tituliert Texte durch eine versuchsweise Kunst“ stammt aus der Feder eines Online-Textgenerators ( www.worte.at). Immerhin ist Kunstsprech inzwischen ja auch Kunst. Miriam Laussegger und Eva Beierheimer haben damit vielen, die in ihren Vorlesungen zunächst gleich viel verstanden, das Kunststudium wesentlich erleichtert. Und mir das Ende dieser Randspalte: „Deshalb stellt die evaluative Ausstellungspraxis die ambitionierten Restrukturierungen dar, wodurch eine Recherche Kunstmultiplikatoren subsumiert und den/die KuratorIn für den Vergleich der Schlüsselbegriffe entkontextualisiert.“ Danke! Ut

Kunstverein Medienturm, bis 21. 8.


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