Meinesgleichen

Das gibt’s auch: ein englischer Europäer

Falter & Meinung | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

John le Carré, der berühmte Autor weltweit gelesener Spionageromane, veröffentlichte unter dem Titel „Engländer, keine Angst vor den Deutschen!“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein wunderbares Plädoyer, Deutsch zu lernen. Er zitiert das Wort Karls des Großen, wer eine andere Sprache besitze, besitze auch eine andere Seele, und er schildert, wie er selbst zur deutschen Sprache kam.

Die Deutschen seien seiner Generation nur als das Volk des Bösen vorgestellt worden, er habe sie gefürchtet, da der junge le Carré unter den Zerstörungen deutscher Bombardements litt, mehr (Tennisplatz der Großeltern) oder weniger (Schulgebäude).

Nach 1945 ging Carré in die Schweiz, um Deutsch zu studieren, und machte sich ein eigenes Bild von Deutschland. Ein solches Bild vermisst er bei den englischen Schülern schmerzhaft. Die würden höchstens das Dritte Reich kennen. „Nur ein Bruchteil dieser Schüler hat auch nur die geringste Vorstellung von dem Preis, den Deutschland selbst dafür gezahlt hat, von der wunderbaren Schaffung der deutschen Demokratie (…), der Entschlossenheit, der eigenen Vergangenheit ins Gesicht zu schauen und am Ende als stärkster und wortmächtigster, auch altruistischster Verfechter des ursprünglichen europäischen Ideals aus diesem Prozess hervorzugehen.“ Stattdessen würden die „oft erschreckenden Medien“ Großbritanniens das Publikum ermuntern, in „einem entschwundenen goldenen Zeitalter vor sich hin zu modern“.

Quelle:

John le Carré: Engländer, keine Angst vor den Deutschen! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.6.2010


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