Warum mich euer Bundeskanzler berührte

Politik | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Ari Rath, in Wien geborener ehemaliger Chefredakteur der Jerusalem Post, über Werner Faymanns Israel-Besuch

Reflexion: Ari Rath, Jerusalem

Der Staatsbesuch eines österreichischen Bundeskanzlers oder Bundespräsidenten in Israel ist bis heute nicht unproblematisch. Die sehr verspätete Auseinandersetzung der Zweiten Republik mit Österreichs Nazivergangenheit werfen immer noch Schatten auf die Beziehungen zwischen Wien und Jerusalem. Ein österreichischer Politiker, der Jerusalem besucht, muss deswegen seine ganze diplomatische Kunst anwenden, um Fehltritte zu vermeiden und nicht missverstanden zu werden.

Paradoxerweise hat der junge Staat Israel nach dem Staatsvertrag vom Mai 1955 Österreich einen Persilschein ausgestellt, der die fürchterlichen Nazijahre in der „Ostmark“ ignorierte. Schon Ende der 40er-Jahre waren beide Länder durch konsularische Beziehungen verbunden, Anfang 1956 folgten diplomatische Beziehungen auf Gesandtenebene. Es war das Gegenteil von Israels Zurückhaltung


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