Rückkehr des Narrenturms“

Politik | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Die Anzahl geistig abnormer Rechtsbrecher explodiert. Die Kosten für ihre Behandlung sind enorm. Das System bräuchte Reform. Stattdessen wird gespart

Bericht: Nina Horaczek, Florian Klenk

Kürzlich kamen sogar die Japaner auf den Steinhof. Neugierige Justizreformer aus Tokio spazierten durch die Pavillons des Otto-Wagner-Spitals. Ihr besonderes Interesse galt dem hintersten Teil des Jugendstil-Komplexes. Ganz oben, knapp unter den Steinhofwiesen, leben rund 40 geistig abnorme Rechtsbrecher im Pavillon 23.

Hinter den Mauern sind Mörder oder Vergewaltiger untergebracht, aber auch Handtaschendiebe, die im Wahn handelten und für so gefährlich erklärt wurden, dass man sie jahrelang therapiert.

Die Japaner staunten. Es gibt hier nicht nur Therapiewerkstätten, einen Kräutergarten und einen Seerosenteich samt Schildkröte, sondern vor allem auch erstaunlich viel Pflegepersonal. Auf 36 Häftlinge kommen 30 Krankenpfleger und vier Psychiater. „Wir leisten für alle Psychiatriepatienten Spitzenmedizin“,


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