Mediaforschung

Mögen Sie unsere deutschen Nachbarn nicht, Herr Schwarz?

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Da lacht der Österreicher: Ein animiertes Männlein steht im Fußballstadion und schaut unglücklich drein. Zuerst regnet es, dann lärmen die Vuvuzelas und zum Schluss marschieren auch noch unattraktive Fußballfans in Schwarz-Rot-Gold auf. Die Stimme aus dem Off klagt: „Bei da WM in Südafrika ist schlechtes Wetta. Es ist unglaublich laut und die Deutschen san a no do.“

Mit diesem Spot will uns der Elektrohändler Saturn sagen: Seid froh, dass sich Österreich nicht für die Weltmeisterschaft qualifizierte! Wenigstens müssen die heimischen Fans nicht ins winterliche Südafrika reisen und der eigenen Mannschaft zujubeln. Stattdessen kann man gemütlich vor dem Fernseher die „Daheim-WM“ genießen.

Eine Werbung mit Schmäh. Aber warum macht sich Saturn ausgerechnet über die Piefkes lustig? Mögen die verantwortlichen Werber etwa die deutschen Nachbarn nicht? „Nein, nein, nein“, beruhigt Thomas Schwarz, Kreativdirektor von der Agentur Jung von Matt/Donau. Ihm kann man das glauben, denn Schwarz ist selbst Deutscher. „Wir haben auch schon sehr viel Zuspruch von Deutschen bekommen“, sagt er. Sogar die deutsche Botschaft habe Briefe von Landsleuten an Saturn weitergeleitet.

Zwar läuft der Spot nur hierzulande, allerdings kann sich jeder das Video auf YouTube ansehen. 67.000-mal wurde es bereits angeklickt und vielfach kommentiert. „Ich find die Werbung göttlich und bin auch aus Bayern“, schreibt ein User. Ein anderer erklärt: „Wie geil! Aber de Ösis sand im Durchschnitt ah ned fescher.“

Ein hochemotionales Thema also, das die Werber geschickt ansprechen. Eines verschweigt uns der TV-Spot allerdings: Saturn ist ein bayrisches Unternehmen. Die Deutschen sind auch wirklich überall.


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