Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Dass Kochsendungen die Pest sind, wissen wir. Nur Leute mit zu viel Tagesfreizeit oder zu wenig Sex wollen anderen beim Kochen zuschauen. Das erbärmliche Schauspiel der Kochshow hat allerdings eine Facette, die soziologisch interessant ist. Man kann die Promi-Köche, vorzugsweise Herren, bei ihren Männlichkeitsritualen beobachten, bestes Beispiel „Lanz kocht“ (Freitag, ZDF, 23.45 Uhr). Die Männer loben und tadeln sich untereinander nach klaren Regeln – wer zu ihren Haberern gehört, kommt super weg, die Konkurrenz schlechter. Die ambitionierten Jungen schleimen bei den alten Platzhirschen – und gemeinsam reden sie toughe Köchinnen wie Sarah Wiener blöd an.

Weil sie eben auch ehrgeizig und erfolgreich ist, außerdem gut aussieht, aber leider nicht dazugehört. Lieb sind die Köche nur zu den Kolleginnen, vor denen sie weniger Angst haben: den Mutti-Typen. Das Fernsehen als Abbild der Realität – Jörg Haider hätte seine Freude an dieser Buberlpartie gehabt.


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