WM-Tagebuch

Das Wiener Wetter kommt nach Südafrika

Ballnotizen

Stadtleben | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Johann Skoceks Gedanken zum großen Ereignis

Der WM-Sommer ist selbst für den Tapfersten eine harte Probe. Menschen verwickeln einen in Debatten über Schiedsrichter aus Ländern, die Mittelschüler nicht einmal buchstabieren können. Teams nötigen einem Mitgefühl für Länder wie Nigeria ab, mit denen man höchstens Afolabi und den Weltrekord an Ausbeutung durch Ölkonzerne verbindet. Die Schweiz, wo Afrikas Diktatoren und Massenmörder Milliarden bunkern, erhält den Nimbus des tüchtigen Underdogs. Von Sendungsbewusstsein getrieben, pirscht man durch die Stadt. Aber vom Wuk zum Brunnenmarkt, vom Donaukanal zur Kaiserwiese herrscht unaufgeregter, von milder Solidarität mit den Veranstaltern in Afrika und Wien getönter Grätzelgeist. Die Kicker treffen bei der WM die Kollegen, die sie das ganze Jahr über niederhauen, im Beisl bestaunen eingespielte Runden Deutsche und Messi. Die Begeisterung in Südafrika dürfte sich nach dem Ausscheiden der Bafana Bafana auf der nach unten offenen Wien-Skala dem heimischen Wert nähern. Wir haben es halt wieder einmal antizipiert.


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