Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Hört ihr das Gesumse?

Man kann nicht sagen, dass sich die Chancen von Franz Voves (SPÖ), im Herbst bei den Landtagswahlen im Amt des steirischen Landeshauptmanns bestätigt zu werden, über die letzten Tage erhöht hätten. Trotz erheblichen Mitteleinsatzes. Sogar Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) hat sich ja dazu breitschlagen lassen, ihre erst unlängst verkündete Nachdenkpause zum Thema Koralmtunnel vorzeitig zu beenden und das „Baulos 2“ ohne weiteren Verzug ausschreiben zu lassen. 500 Millionen für den Franz! Und der hat – wie es seine Art ist – die Steirerinnen und Steirer auch gleich mit eigenwillig formulierten wie interpunktierten Ganzseiteninseraten über diese Wohltat informiert. „Gesichert und zugesichert“ sei der Bahnbau, heißt es da. „Da fährt die Eisenbahn drüber!“

Wäre die Eisenbahn nicht gleichzeitig auch anderswo „drüber“-gefahren, die Tunnelmillionen wären wohl auf Voves’ Reputationskonto angekommen. So aber sind sie verpufft. Denn die lokalen Medien weideten sich lieber am Elend der Grazer SPÖ, die sich gerade selbst ausschaltete. Man kann auch sagen, dass Elke Edlinger und Wolfgang Riedler, die sich ein Match um die Führung in der Partei geliefert hatten, 500 Millionen Euro an Werbewert verbrannt haben. Das ist bitter. Es hätte auch nicht so weit kommen müssen. Weniger Eitelkeit, mehr Professionalität seitens der Kontrahenten, ein zügigeres change management des Landeshauptmanns, und die Chose hätte glimpflich ausgehen können. So war’s ein Totaldesaster. ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer bleibt da bis Herbst wenig zu tun. Außer vielleicht an der Mur zu promenieren und, wenn er’s kennt, „Wind of Change“ zu summen.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige