Selbstversuch

Da wächst nichts mehr, auf Jahre hinaus

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 26/10 vom 30.06.2010

Wie immer hat der Kollege Dings auf meine Theaterkolumne als Erster reagiert, und wie immer ging er voll in den Saft, er sagte, nein, er brüllte es schon im Betreff, wie wütend er sei über diese Kolumne und die darin ausgestellte Ignoranz. Ja, ja. Aber ich kann nicht jeden Tag über Arigona Zogaj schreiben oder darüber, dass ich die SPÖ wegen ihrer erbärmlichen Luschen-Reaktion in der Zogaj-Sache, ja in allen Abschiebungssachen, für absolut unwählbar halte, und zwar auf Jahre hinaus. Das ist kontaminiertes Gebiet. Da wächst nichts mehr*.

Allein dass die SPÖ es als Regierungspartei zulässt, dass Maria Fekter Innenministerin ist und Innenministerin bleibt und als Innenministerin agiert, wie sie agiert, ist unerträglich. Man kann die SPÖ nicht wählen und darf für die SPÖ nichts machen, man muss diese SPÖ bestrafen, und ich habe eine Lesung, die ich schon zugesagt habe, wieder abgesagt, als ich bemerkte, dass die SPÖ hinter dem Kulturverein steckt.

Und die ÖVP gehört selbstverständlich auch komplett boykottiert für ihre dumme, kurzsichtige, erbarmungslose, FPÖ-gläubige Einwanderungspolitik. Und alle, die Fekter nicht endlich sagen, dass jetzt Schluss ist und dass es reicht und dass unsere Leute, genau wie Robert Misik geschrieben hat, nicht mehr abgeschoben werden, fertig jetzt! Es ist so eine Schande, und es geht immer weiter. Ich könnte so in den Saft gehen, deswegen, jeden Tag.

Aber man muss ja auch mal über was anderes reden. Man kann nicht immer nur darüber nachdenken, wie diese Kinder, wie all diese Kinder, die gestern noch mit unseren Kindern in die Schule gingen und mit unseren Kindern am Spielplatz waren und auf den Geburtstagspartys von unseren Kindern und im Fußballteam von unseren Kindern, wie all diese jetzt abgeschobenen Kinder im Kosovo nicht mehr in die Schule gehen werden, weil es keine gibt, und wie sie mit ihren arbeitslosen Eltern bei Verwandten auf dem Boden vom Wohnzimmer schlafen und nichts mehr lernen. Es ist unerträglich. Man kann keine Partei wählen, die das zulässt. Die mitleidslose Gesetze mitbeschließt, die das ermöglichen. Von denen keiner aufsteht gegen das. So wie in dem herzergreifenden SPÖ-Spot, wo sie alle aufstehen. Von der SPÖ steht keiner auf, wenn sie die Zogajs und tausende andere Flüchtlinge aus dem Land deportieren. Von der SPÖ hört man keinen rufen: Nicht in meinem Namen! Da mach ich nicht mehr mit! Na, da sind alle kusch, nichts sehen, nichts hören, nichts spüren. Die SPÖ ist unwählbar, sogar rückwirkend, wenn man sich den Bundespräsidenten anschaut, den man nicht hätte wählen sollen, jetzt weiß man es. Ein Halm im Wind. Wenn Fekter buh sagt, fällt Fischer um. Ich muss zwischendurch etwas Ignorantes übers Theater schreiben, ich kann mich ja nicht jeden Tag nur über das aufregen, auch wenn’s mich drängt.

*Demo gegen diese Asylpolitik am 1.7., 18.30, Heldenplatz. Doris Knecht wird da sein


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige