Alles wächst, aber wohin?

Extra | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Alles wird schwerer: Belgiens Choreografie-Ikone Anne Teresa De Keersmaeker zieht mit ihren Studenten Bilanz

Text: Elfi Oberhuber

Ich sehe mich wie einen Baum, der an seinem Jugendwerk wächst.“ – An diesen schönsten aller Sager (von Hermann Nitsch) ist bei jeder herausragenden Künstlerbiografie zu denken. Schon der Samen ist ausschlaggebend, durch den die Pflanze zur Blüte gelangt, oder zur vielversprechenden Knospe, die sich öffnet. Der Wichtigkeit des ersten Werks ist sich ein Kunstschaffender im Moment des Tuns meist nicht bewusst. Und solange das Ganze unbewusst wächst, bleibt der Baum anmutig.

Bei der belgischen Choreografiegröße Anne Teresa De Keersmaeker und ihrer Compagnie Rosas trifft das zu, obwohl sie ständig Neues verarbeitet. Die letzten Jahre wuchs sie angesichts eines medialen Umbruchs und verwirrender Gegenwart zusehends an einer Seinskrise, die sie in „The Song“ und „Zeitung“ immer abstrakter werden ließ. Das Um und Auf ihres Schaffens, die Musik, blieb

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