Stirb langsamer, Schwan

Extra | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Der Tod gibt den Rhythmus vor: Mathilde Monnier holt einen Tanzklassiker von 1907 in die Gegenwart

Text: Elfi Oberhuber

Unvergessen, aber verblasst ist das laufende Schwarz-Weiß-Bild aus dem Jahr 1907, in dem Schwan Anna Pawlowa stirbt. Er stirbt so traurig-schön. Drei Minuten und 23 Sekunden lang. Er ringt um sein Leben, sich unaufhörlich drehend. Auf Spitzen trippelnd flattert er mit seinen Händen und knickt mit dem letzten Takt von Saint-Saens’ melancholischer Violine unter seinem Köpfchen ein.

Michel Fokines Solo „Der sterbende Schwan“ bleibt unsterblich, weil es die Zeit überdauert. Unendlich ist der Schwan, weil Pawlowa dabei als erste Ballerina in der Geschichte improvisierte – in einer Bewegung, die sagt: „Ich will nicht enden, will nicht sterben.“ Die Tänzerin selbst starb mit 50 Jahren innerhalb von drei Wochen; eine rettende Operation, die ihr Ende als Tänzerin bedeutet hätte, lehnte sie ab: „Wenn ich nicht mehr tanzen kann, bin ich lieber tot.“

Das Ende


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