Akustischer Voyeurismus: Hans Van Den Broecks szenische Installation „Café Prückel“

Extra | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Text: Wolfgang Kralicek

Sie kennen das sicher: Sie sitzen ganz unschuldig im Café und werden auf einmal zum akustischen Voyeur. Zufällig haben Sie ein paar Worte aus der Konversation am Nebentisch aufgeschnappt, und jetzt hat Sie die Neugier gepackt …

Der belgische Choreograf Hans Van Den Broeck zeigt bei ImPulsTanz eine kurze Performance, in der die eingangs geschilderte Situation künstlich erzeugt wird. An fünf Tischen im Café Prückel sitzen neun Leute und unterhalten sich.

Die Dialoge werden verstärkt, die um die Tische flanierenden Besucher können die Gespräche mithören – allerdings nur in Fragmenten. Und im im Verlauf der 30-minütigen Aufführung stellt sich nach und nach heraus, dass die Figuren mehr miteinander zu tun haben, als man dachte.

Hans Van Den Broeck ist Psychologe und Mitbegründer von Les Ballets C. de la B. (die bei ImPulsTanz heuer mit „Gardenia“ vertreten sind). 2002 gründete er seine eigene Compagnie SOIT (Abkürzung für „Stay Only If Temporary“), seine Arbeiten sind regelmäßig bei ImPulsTanz zu sehen.

Bei „Café Prückel“ arbeitet Van Den Broeck teils mit Performern von SOIT, teils mit Gästen aus der Wiener Szene zusammen. Nach der Performance empfiehlt es sich, das Kellertheater unter dem Café aufzusuchen Hier unten liefert Van Den Broeck in Form einer Video-Installation Informationen zu den Charakteren seiner Performance, die im Nachhinein so manche Unklarheit auflösen können.

Wenn Sie im Sommer im Café sitzen und am Nebentisch ein Gespräch verfolgen, das Ihre Neugier weckt, ist also Vorsicht geboten. Es könnte sein, dass Sie sich in eine Vorstellung von ImPulsTanz verirrt haben.

Café Prückel: 6., 8., 9. und 10.8.,

15.00 und 19.00, Café Prückel


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