Kunst Kritik

Ein Gespenst geht um: das des ehemaligen Osten

Steiermark | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Die Reihe nennt sich „Plateau – Raum für Zwei“, und es sind folglich jeweils zwei Künstler, die Kuratorin Eva Martischnig einlädt, auf dass sie gemeinsam den Hauptraum des Grazer Forum Stadtpark bespielen. Derzeit sind es die aus Bratislava stammende Wienerin Miriam Bajtala und der Linzer Gregor Graf, die sehr unterschiedliche künstlerische Zugänge präsentieren. Als Metapher dafür kann ein Video Bajtalas gelten, das die Ausstellung pointiert in zwei Hälften teilt: „Swing“ zeigt eine schwer verrostete Schaukel in Aktion, die zudem so richtig unschön-ungeschmiert knarrt.

Abgesehen davon beschäftigt sich Bajtalas Teil mit Verhüllungen. Einerseits in einer stilvollen Videoprojektion: Die Künstlerin liegt im Bett, Polster und Decke werden von gespensterartigen Gestalten dargestellt. Weiters zeigt die Künstlerin zwei Fotos aus einer Serie, in der sie als Gespenster verkleidete Familienmitglieder an biografisch wichtigen Orten porträtiert: etwa die Mutter im Wiener Schlafzimmer, das nach der Emigration der Familie nach Österreich in den späten Siebzigern eingerichtet wurde – die kitschige Inneneinrichtung hat wohl mit „östlichen“ Vorstellungen eines idealen Westen zu tun. Weitere Orte, auch in der Slowakei, sollen folgen. In Graz ist das leider noch nicht zu sehen.

Gregor Graf war hingegen schon im Osten. Im April 2010 hielt er sich in Moldawiens Hauptstadt Chisinau auf, sein Plateau-Part präsentiert vor allem Dokufotos, die sich mit sowjetischem Erbe und einem neuen Aufbruch beschäftigen. So kontrastiert er etwa die sowjetischen Zäune, die kein Hindernis für nachbarlichen Tratsch darstellten, mit neumoldawischen Mauern an Grundstücksgrenzen. Ein bisschen spuken darf es aber auch bei Graf: nämlich in den gezeigten Rohbauten, die in der moldawischen Landschaft so einfach vor sich hin rotten. hgh

Forum Stadtpark, bis 8.8.


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