Mediaforschung

Können Sie keinen Ball fangen, Frau Föderl-Schmid?

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Manche Menschen haben ein Gespür für den Ball, bewegen sich instinktiv in die richtige Richtung und kicken, dribbeln oder gaberln mit besonderer Eleganz. Andere sind wiederum gut mit Worten, besitzen eine Klarheit in der Sprache oder können selbst trockene Nachrichten spannend erzählen. Aber nur wenige vermögen beides, können geschickt mit Worten und mit der Wuchtel umgehen.

Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man derzeit den Fernseher aufdreht. Da wirbt der ORF gemeinsam mit Printmedien für die WM-Berichterstattung. In zwei TV-Spots sind die Chefredakteure der Tageszeitungen zu sehen. Jeder fängt, wirft oder gaberlt einen Ball – mehr oder weniger grazil. Nur eine Zeitung fehlt. Wo ist der Standard? Wurde Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid nicht eingeladen? Kann sie keinen Ball fangen? Oder mag sie vielleicht gar keinen Sport?

„Nein, nein. Ich schaue selbst sehr viel Fußball. Wir wurden auch eingeladen. Aber ich erkenne bei dieser Werbung keinen Mehrwert für den Standard“, sagt Föderl-Schmid. Das Konzept der Werbung sprach sie nicht an: Alle Chefredakteure müssen dasselbe tun, denselben Satz sagen: „Wir sind dabei“, lautet der Claim.

Der Standard ist also absichtlich nicht dabei. Das liege aber nicht am Desinteresse gegenüber dem Fußball, meint Föderl-Schmid. Auch ihr Blatt berichte intensiv aus Südafrika. „Allerdings wollen wir eine andere Art von Journalismus machen, nicht diese normale Ergebnisberichterstattung“, sagt die Chefredakteurin.

Eines gibt sie aber doch zu: „Ich kann mit Bällen nicht gut umgehen.“ Sie zeigt sich ganz froh darüber, nicht vor der Kamera als Schreibtisch-Ronaldo auftreten zu müssen. Manch einen Kollegen hat mangelndes Talent allerdings nicht abgehalten.


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