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Pressekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Es gibt vieles, für das man Geld ausgeben kann. Aber für die Schlagzeile „Mein Freund, der Sex-Mörder“? Zieht das noch in Zeiten von Swingerclub in der Secession und YouPorn im Netz? Bei Österreich scheint man das zu glauben, zumindest wenn stimmt, was die Kronen Zeitung behauptet. Da wird ein Student verdächtigt, seine Freundin mit 40 Messerstichen ermordet zu haben und der beste Freund hat nichts Besseres zu tun, als schnell einmal bei der Krone anzurufen. „Ich rufe nicht aus Nächstenliebe an“, soll er laut Krone gesagt haben, „ich will die Story verkaufen, schließlich musste ich wegen der Geschichte meinen Urlaub verschieben.“ Die Krone verzichtete auf die Morddetails „und wünscht ihm einen schönen Urlaub“, war am Sonntag im Kleinformat zu lesen. Am selben Tag hatte Österreich überraschenderweise den Freund im großen Interview, wo er detailliert von der „Beichte nach dem Sex-Mord“ erzählt und davon, wie der Verdächtige die Leiche zerlegte. Was für ein toller Freund.


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