Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste Jubiläumsschuber der Welt der Woche

Feuilleton | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

So typisch: 20 Jahre SZ-Magazin

Die geschätzten Kollegen in München machen vieles, vor allem aber: Freude am Freitag. Dann gibt’s nämlich zur besten deutschen Tageszeitung: die beste deutsche Tageszeitungsbeilage, das SZ-Magazin. Und weil das nun auch schon 20 Jahre so geht, feiern die Münchner und schenken uns den Sammelband „Zwanzigzehn“ im transparenten Plastikschuber – schön ist das!

Na gut, geschenkt gibt’s gar nichts. Knapp 40 Euro hat der Schinken gekostet, 40 Euro, die wir gerne bezahlen für 20 Jahre in zehn Bänden. Und allein das Ding mit den Bänden ist schon wieder so eine charmante Idee, typisch SZ-Magazin eben. Wer gesammelte Ausgaben erwartet hat, wird übrigens überrascht sein – auch typisch, das passiert fast jeden Freitag.

In zehn neonbunten, schön gestalteten (typisch!) Heften: alle Titelbilder, Titelbildideen, die es mehrfach gab, Lieblingsrubriken, 32 Antworten auf die Frage 66 aus Moritz von Uslars Interview-Serie „100 Fragen“ („Wie lautet die Botschaft Ihres Busens?“, Antwort: „Er muss in den BH passen. Das war’s auch schon“, wer hat’s gesagt?) oder alle jährlichen Künstlereditionen.

Natürlich versammelt ein extra fetter Band die besten Texte aus 20 Jahren (nein, leider nicht alle!), ein nicht minder fetter die besten Bilder (leider auch nicht alle). Sensationell ist der Band mit den schönsten Fragen und Antworten aus klugen und witzigen Interviews mit prominenten Zeitgenossen. Ein Heft im Schuber widmet sich dem Thema „Heimat“ – mit Texten vom Schauspieler Moritz Bleibtreu und Tote-Hosen-Mann Campino über die Coolness von Ausländerdeutsch und Helmut Kohl.

Und wer hat das alles gemacht? In Band 10 feiert die Redaktion ein bisschen auch sich selbst, erklärt, wie so ein SZ-Magazin entsteht und was dabei so alles schiefgehen kann. 250 Preise haben die Münchner in den letzten 20 Jahren bekommen – für Gestaltung, Texte und Fotos. Mit 15 Seiten ist Band 10 eher bescheiden ausgefallen. Typisch SZ-Magazin.


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