Gedichte aus Wasser und Eis

Feuilleton | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Sommerzeit ist Wolkenzeit. Die Dichtung liefert mitunter fragwürdige Anleitungen zur Poetisierung des Blicks

Hommage a Nuage: Klaus „Clouds“ Nüchtern

Der Mainstream manichäischer Meteorologiebenörgler, der sich alljährlich spätestens ab Mai zu einem transnationalen Beschwerdechor formiert, ist mit binärer Blödigkeit geschlagen: null oder eins, gut oder schlecht, schön oder schiach. Ginge es nach ihm, ein wolkenlos blauer Sommerhimmel überwölbte das ganze Jahr die Erde.

Seinen purgatorischen Wahn richtet der Schönwetterfeti-, um nicht zu sagen -faschist gegen die Wolke; sie gilt ihm wahlweise als Überbringer der schlechten Nachricht oder als diese selbst. Belegt wird das unter anderem durch zahlreiche Schmähverse, von denen mehr als eine Andeutung zu geben empfindsamen Gemütern naturgemäß versagt ist. Die Menschen, die solch lästerliche Reden schwingen, mögen sich mithilfe von Unterstufenlatein als Humanisten gerieren („Stratus est flatus“), sie mögen sich als aufgeklärte


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