Aus dem wahren Leben – ein Schmierentheater

Feuilleton | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

In der Hochstaplerkomödie „I Love You Phillip Morris“ geben Jim Carrey und Ewan McGregor ein schönes schwules Paar

Filmrezension: Joachim Schätz

Am Anfang steht eine Beteuerung: „This really happened“ wird über einem Wolkenhimmel eingeblendet. Nachsatz: „It really did.“ Damit stimmt „I Love You Phillip Morris“ sein Publikum nicht bloß auf eine haarsträubend unwahrscheinliche Geschichte aus dem wirklichen Leben ein, sondern nimmt bereits den Duktus seines Protagonisten vorweg: Der Betrüger und Ausbruchskünstler Steven Jay Russell hat eine Karriere daraus gemacht, seinen Mitmenschen höchst überzeugend das Blaue vom Himmel zu versprechen.

Wie andere unlängst verfilmte „wahre Geschichten“ über Hochstapler und notorische Lügner („Catch Me If You Can“, „Der Informant!“) lässt sich auch Russells Vita nur als Komödie erzählen: weil sie das Genre des biografischen Films selbst, mit seinen Verheißungen von Authentizität und Enthüllung, als Schmierentheater


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