Er kam, sah und kaufte

Feuilleton | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Der Arzt Rudolf Leopold war ein genialer Dilettant und ein erfolgreicher Sammlersammler

Nachruf: Matthias Dusini

Anekdoten machen den Mythos: Ein Gymnasiast kauft auf dem Flohmarkt um 100 Schilling ein modernes Bild und ruft einen Sammler an, den er aus der Zeitung kennt. Die beiden treffen sich auf einem Parkplatz, wo der Ältere zu nörgeln beginnt: „Schlechter Zustand, drittklassig, maximal 10.000.“ Mit offenem Mund nickt der Schüler, der Sammler zieht das Geld aus der Hose. Martin Janda, der heute in Wien eine Galerie betreibt, blickt auf den Rücksitz: Dort liegen zwei unverpackte Gemälde Egon Schieles, die der Sammler Rudolf Leopold gerade vom Restaurator abgeholt hat.

Leopold, der obsessive Sammler und getriebene Schatzjäger. Leopold, der auf einen Blick Qualität erkennt, die dritte Fassung eines Bildes von der elften Fassung zu unterscheiden weiß und das Handwerk des Restaurators beherrscht. Der mit einem Wurstbrot zur Auktion kommt und ein Paar Schuhe besitzt. Mit dem nicht


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