Stadtrand

Nordic Walking, Sound of Prater-Hauptallee

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Wir dachten immer, manche Sportarten und Freizeitbeschäftigungen erklären sich eigentlich von selbst. Zum Beispiel wozu beim Nordic Walking die Stöcke dienen. Damit man nämlich neben den Beinen auch den Oberkörper bewegt, ist doch klar, waren wir uns immer sicher, bis wir am ersten sonnigen Sonntag die Prater-Hauptallee betraten. Dort vernahmen wir sogleich die klappernden Schleifgeräusche zehntausender gequälter Nordic-Walking-Stöcke, die hängende Sportlerarme zwecklos hinter sich herzogen. Nichts ist selbstverständlich, mussten wir in diesem Moment erkennen. Denn der durchschnittliche Wiener jenseits der 60 verwendet den Nordic-Walking-Stock nicht etwa, um den Oberkörper zu bewegen. Sondern aus Gott weiß welchen Gründen. Vielleicht denkt er gar nicht weiter darüber nach. Vielleicht reizt ihn das Versprechen von Aktivität und Vitalität. Denn streng genommen brauchte er ja auch kein 150-Euro-Schwitzsaug-Windstopp-Ultramarathon-Leiberl, um seine Stöcke unbeschadet den halben Kilometer ins Schweizerhaus zu schleifen.


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