Phettbergs Predigtdienst

Pubertärer Jung-Greis auf der Parade

Kolumnen | aus FALTER 27/10 vom 07.07.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Fromm gliedert sich die Regenbogenparade in den Staatsrhythmus ein. Eine Art 1. Mai für LGBT-People. Schwerpunkt waren heuer scheinbar LGBT-Polizistinnen und -Polizisten. Verlief darum alles so besonders gesittet? Von der Mentalität des Christopher-Street-Zornes Jahre und Kontinente entfernt! Generell liegt den Österreichys Sex nicht. Sex passiert im „finsteren Bereich“. Keine Kommunikation. Dass aber Sex eine gesamtgesellschaftliche Not sei, dauert, bis es ins Bewusstsein dringt.

Mich hat alles radikal erwischt: Nie liiert gewesen zu sein, ist selten. Sonst erwischt es jeden. Nun verwechseln mich alle mit einem gehbehinderten, ehrwürdig-kranken Greis und denken nicht, dass ich tatsächlich noch in der Pubertät stecke. Ich bräuchte mehr Lebenszeit. Ich müsste jetzt erst 15 sein! Und dann wär ich fesch und würde auch erwischt werden und im Bett eines anderen in mich Verknallten liegen.

Ich fuhr mit demselben Faxifahrer wie 2008. Vor mir war der riesen Block der Polizisten und Polizistinnen. Und da war ein stämmiger Bursche zu sehr in der Kriminalitätsmentalität und nahm mich ganz fest an der Hand und prüfte, ob ich zu schwitzen begänne. Bei der Hitze! Ist ja klar, doch er konnte nicht Deutsch und ich keine Fremdsprache. Manuel hat zwar ausgeholfen, aber ich weiß trotzdem nicht, was der Stämmige wirklich wollte. Dachte er, ich sei ein ganz wilder Pornobetreiber? Oder dachte er, ich wär ein zu benützender Masochist?

Egal, wir zwei konnten – vis à vis – unsere Sprachen nicht. Wieder nichts. Vorbei die Chance. Und anstatt dass ich mich die ganze Nacht herumtriebe und mich durchficken ließe, liege ich brav in meinem Bettchen. Ich kann niemanden verführen, ich kann nur gut schlafen. Also gilt Enthalten. Es gibt nun zwei Wege für mich: entweder eine Witzfigur in kurzen Bluejeans oder ein würdiger Jung-Greis sein.

Ich hatte nur einen spannenden Wagen in all meinen 15 Paradejahren: im Jahr 2001, als ich rund um den Ring in meinem Wagen öffentlich ausgepeitscht wurde. Kein Geld mehr, keine Kraft mehr: Meine Zeit ist vorbei. Angst kriecht in mir hoch! Ich war mein Leben lang dumm! Gott sei Dank darf ich bei lebendigem Leib mein „Fegefeuer“ abdienen.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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