Niederösterreich Kritik

Hamlet light in Perchtoldsdorf

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Vor der Fassade der Burgruine Perchtoldsdorf turnt der dänische Königshof auf riesigen Kabeltrommeln und Stahlstegen herum. Zur Wiedereröffnung nach zweijähriger Renovierungs- und Umbaupause – die Freiluftbühne verfügt jetzt über ein Foyer und eine Regenüberdachung – inszeniert Ioan C. Toma „Hamlet“. In einer sehr stark gekürzten, aber erfreulich wenig neu bearbeiteten Schlegel-Fassung der leichenstarrenden Shakespeare-Tragödie wagt man kaum Experimente und setzt stark auf die Wirkung der romantischen Kulisse. Auf Pumphosen und Puffärmel verzichtet man ganz, und kommt mit Anzug, Abendkleid oder Schlabberpulli zu Krone und Königsmantel ganz gut über die Runden.

Das Hauptaugenmerk liegt auf Hamlets Wahnsinn, also erweckt Florian Teichtmeister einen hinreichend irren Prinzen in Existenzialistenschwarz zum Bühnenleben. Als Augenzeuge in einer angedeuteten Rahmenhandlung begleitet der Musiker und Komponist (und Nicht-Schauspieler) Christian Brandauer als Horatio, dem man fast den ganzen Text gestrichen hat, das Geschehen am Klavier. Im übrigen läuft alles wie am Schnürchen: Polonius (Florentin Groll) erliegt als Lauscher an der Wand seiner Stichwunde (bemerkenswerterweise durch den Kopf!), Ophelia (Silvia Meisterle) stirbt im kreischenden Wahnsinn, und der brudermörderische Oheim König Claudius (Peter Scholz) gibt auch den Geist von Hamlets Vater, bevor er und seine etwas lädiert wirkende Gattin Gertrud (Doina Weber) den ihren beim Duell Hamlet – Laertes aushauchen. Die hübscheste Szene des Abends ist die Hinrichtung von Rosenkranz und Güldenstern als Schattenspiel mit geköpften Luftballons. Wegen der Kürzungen dürfte freilich nicht allen klar sein, warum sie überhaupt sterben müssen.

Burg Perchtoldsdorf, Fr, Sa, So, Do 20.15 (bis 1.8.)


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