Theater Kritik

Nicht schlecht: Sommer-theater im Kürbis Wies

Steiermark | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Der einfachste Umgang mit den Sommerbühnen, die landauf, landab die Schloss-, Burg-, Bauernhöfe dieses Landes füllen, ist wahrscheinlich die Verweigerungshaltung: Theaterspielen sollte zur warmen Jahreszeit verboten sein. Und wenn schon gespielt werden muss, dann bitte – wie etwa in Oberzeiring – etwas Winterliches von Tschechow oder etwas Herbstliches von Horváth (Geschichten aus dem Wiener Wald, ab 28.7. im THEO).

Dem Theater Kürbis in Wies täte man damit allerdings Unrecht. Die kleine Spielgemeinschaft aus Laiendarstellern, denen ihre teils jahrzehntelange Routine auf wohltuende Weise nicht anzumerken ist, zeigt auch heuer eine Sommertheaterproduktion, wie sie im Buche bzw. noch häufiger im Tourismuskatalog steht. Gegeben wird der „Bauernlandler“, ein „Volksstück in drei Akten nach Werner Asams, Herzsolo‘“: zünftig in steirischem Dialekt und steirischer Tracht mit viel Musik und noch mehr Theaterschilcher. Der feine Unterschied lässt sich aber bereits angesichts der traditionellen Kulissenbühne erahnen: Penibel wurde hier die unvermeidliche Naturlandschaft samt Wirtshaus wie eine vergilbte 50er-Jahre Postkarte hingemalt, darüber schweben Sonne, Mond und weiße Wölkchen aus Pappkarton, zur musikalischen Begleitung fährt die Zither lautlos von der Seite herein. Die Ironisierung des Klischees kommt hier auf leisen Sohlen daher. Ebenso dezent entfalten das Spiel des Ensembles und die mehrstimmig vorgetragenen Couplets ihren Witz, ohne mit jeder einzelnen Pointe hausieren zu gehen. Und die Inszenierung löst den Schwank in schlüssigen Bildern auf. So ernsthaft kommt im Sommer nur selten ein Theaterspaß daher. HG

Schlosstenne Burgstall, Wies, Fr, Sa, So, Do 20.00, So auch 16.00


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